Schachaus Nacht
by RedCat

Rorch hatte sich schnell erholt, wenn man bedenkt, das er die Nacht, an deren Beginn ihm Schachau endlich Beute bringen konnte, nur im Delirium überstand. Am Morgen war es Schachau gelungen noch ein Antilopenkitz zu reißen, das er diesmal an keine Hyäne abtreten mußte. Rorch hatte es gierig verschlungen und dann den ganzen Tag geschlafen.

Schachau hatte vor ein paar Minuten noch einen Hasen erwischt. Nun saß er auf dem weichen, sich langsam golden färbenden Gras am Rande der kleinen Hochebene und blickte ins Tal. Die Sonne warf schon blutrotes Licht. Sie würde wie ein Stein vom Himmel fallen, wen sie den Horizont erst berührte. Zebras trugen ihre Rangkämpfe aus. Eine Leichtigkeit für die Löwen sich anzuschleichen. Der stolze Sieger trabte arrogant aber zielsicher in die gierigen Klauen der lauernden Meute. Belustigend.

Nargomm war Tod. Mutter war Tod. Von einen Tag auf den anderen waren er und Rorch allein gewesen. Schachau war zumindest teilweise schuld. Er hätte als Kräftigster früher seinen Weg finden müssen. Er hätte Beute machen müssen. Nargomm war verhungert. Rorch um ein Haar. Er hatte Mutter geschworen für sie zu sorgen, als sie vom Milzbrand gepeinigt, in ihren letzten Zügen lag. Versagt.

Eines Tages würde er verhungern. Das Schicksal der meisten erwachsenen Geparden teilen. Er würde irgendwann, spätestens im Alter, nicht mehr fähig sein, den beißenden Schmerz in seinem Magen mit Blut zu ertränken. Als Junges hatten die Chancen von Löwen oder Hyänen getötet zu werden nicht schlecht gestanden. Jetzt gab es für den Tod nicht mehr allzuviele Möglichkeiten. Verhungern war am wahrscheinlichsten. Schachau fürchtete sich davor. Er mußte fast täglich töten um zu überleben. Er brauchte sich nur die Pfote zu verstauchen oder irgend einen wichtigen Muskel zu prellen. Dann war sein Bruder seine letzte Hoffnung. Letztendlich würden immer doch die Gejagten siegreich sein. Wen sie es schafften sich ... im falschen Moment... von der Speisekarte ... zu streichen.

Eine leichte Brise trug einen Geruch zu Schachaus Hügel hinüber der sofort ungeteilte Aufmerksamkeit verlangte. Zwar hatte Schachau diesen seltsamen Duft noch nie vernommen, doch weckte er sofort ein Verlangen in ihm. Seine Neugier loderte auf, diesem zu folgen. Ein halber Gedanke bestätigte ihm noch das Rorch sicher war, dann trabte er den Hang hinab ins Tal. Lange folgte Schachau seiner Witterung. Je weiter er kam desto intensiver wurde sie, bis er sich nicht mehr erinnern konnte je etwas anderes wahrgenommen zu haben. Dann hörte er die Rufe. Er blieb stehen um zu lauschen. Mit jedem der heiseren Schreie lief ihm ein kalter, aber wohliger Schauer über den Rücken.

Um ihn brach die Nacht herein und nahm der Welt alle Farben. Schachau rannte weiter. Grau schimmerte das blanke Holz eines umgekippten Baumes in dessen Umkreis das Gras bis zum Boden abgebrannt war. Ein Blitz mußte hier eingeschlagen haben. Der Geruch wehte von der anderen Seite des Gefallenen Riesen herüber. Der sanfte Instinkt der ihn soweit gebracht hatte, war stärker geworden. Zu einem unhaltbaren Trieb, der jeden klaren Gedanken in Schachaus Kopf verwischte. Ein weiterer flehender Laut, ließ in losschießen wie ein Pfeil aus einem zum zerreißen gespannten Bogen. Er flog den Rest des Weges und landete, eine Wolke Staubes um sich, Meter von seinem Bestimmungsort entfernt.

Direkt vor ihm räkelte sie sich. Schachau hatte bis jetzt nicht gewußt was er suchte, doch als er es nun hatte, war ihm, als hätte er nie etwas anderes Gewußt. Mit zurückgelegten Ohren fauchte sie ihn an. Ein Sturm aus Feuer und Eis zog von seinem Kopf über seinen Rücken, über seinen Bauch, und konzentrierte sich zwischen seinen Schenkeln. Ließ ihn fiebrig zittern.

Mit einem Satz stützte Schachau sich auf seine Begierde, spürte den Schmerz den ihre Krallen durch seinen Körper sandten und der ihn noch heißer machte. Schon schmeckte er ihr Nackenfell zwischen den Zähnen. Ihre Bewegungen erstarrten. Grob drang er in sie ein. Die Welt verschwamm vor seinen Augen. Ihre Wärme durchflutete, jeder ihrer Muskeln stimulierte und glühende Säfte umspülenten ihn. Langsam begann er die Bewegung. Schachau schloß seine Augen während seine anderen Sinne sich voll und ganz auf den Akt konzentrierten. Er schmeckte sie zwischen seinen Zähnen, roch ihren betörenden Duft, hörte ihr immer lauteres Brüllen und spürte das Pochen in seinen um Entleerung flehenden Nüssen. Etwas das näher kam mit jedem mal, indem er sein Glied zurückzog um es dann so tief wie möglich in ihr zu versenken. Der Rausch gewann gänzlich Kontrolle über seinen Körper und ließ ihn immer schneller, immer härter stoßen, hinweg über seines Körpers jämmerliche Grenzen. Ihr Brüllen wurde lauter. Schachau spürte, sie kam, brachte ihre Muskeln zur Wallung, begierig jeden Tropfen aus ihm zu melken. Mit einem letzten Stoß drang er so weit er nur konnte in sie ein. Wellen durchfluteten seinen Körper. Von seinen Eiern aus, schoß das Feuer pulsierend durch seinen Schwanz und ergoß sich tief in sie. Nur langsam ebbte der Sturm ab. Mit einem Knurren jagte sie ihn von sich.

Schachau zog sich auf den Baum zurück und leckte sich. Sein Samen schmeckte leicht bitter, würziger das Blut das aus den Kratzern an seinem Bauch hervor trat.

"Wer bist du kleiner?" fragte das Weibchen nach einer Weile mit rauher Stimme.

Schachau beendete seine Reinigung und sah auf. Vorher hatte er sie, kaum betrachtet, nur ihren Duft und vernommen, der ihn langsam schon wieder in seinen Bann zog.

"Schachau." antwortete er.

du den alten Karlio vertrieben?"

Schachau stutzte, dann viel ihm ein, das er, Nargomm und Roch einige Zeit nach Osten gewandert waren. Er hatte noch keine Ahnung von den Revieren, aber sie hatten mit Sicherheit ein fremdes Betreten.

"Nein."

Sie musterte ihn.

"Du bist sehr jung. Er wird dich sicher töten."

Schweigen.

"Verschwinde lieber. Ich verwette meine Reißzähne, das er gleich hier auftaucht."

Vernünftig währe das wohl gewesen. Er würde sein Abenteuer überleben, und sobald Rorch wieder richtig fit gewesen wäre hätten sie herausgefunden, wie alt der alte Karlio wirklich war und wem das Revier gehören würde. Mit all den Weibchen darin. Leider meldete sich jedoch ein Drang der sofort nach erneuter Befriedigung verlangte.

"Nein." beschloß er.

"Wie tapfer und schade, wo du doch ein so potentes Kerlchen warst." nahm sie seine Dummheit gelassen hin, um sich weiter aufreizend am Boden zu rollen. Schachau sprang hinunter. Diesmal würde er es ein bißchen langsamer angehen. Genußvoller. Schon bot sie seinen Blicken ihre Kostbarkeiten dar, scheinbar hoffend auf eine zweite Runde bevor Karlio, ihren liebsten Liebhaber in Stücke reißen würde. Schachau kam näher, inhalierte ihren Duft, flemte um jedem Detail seine volle Wirkung zuzugestehen. Leckte sie, zart mit seiner rauhen Zunge, so das ihre Saft jeden Winkel seines Körpers zu durchfluten schien.

Ein wütendes Gebrüll riß ihn herum. Im Sprint schoß Karlio durch das hohe Gras. Schachau sah zu das er Land gewann, die wilde Furie nur Zentimeter hinter ihm. Mit einem gewaltigen Satz jagte er über den Baum hinweg und schlug Haken wie eine gehetzte Garzelle. Erst als er fast zwei Minuten so schnell wie er nur konnte gerannt war blieb er stehen. Stellte fest, das er schon längst nicht mehr verfolgt wurde und brach mehr als erschöpft zusammen. Sein Herz schlug, als wolle es platzen, sein Schädel dröhnte. Ihm war schrecklich Übel. Endlich hatte er es geschafft mal seinen Kreislauf zu überlasten.

Zehn Minuten blieb er im Gras liegen, dann konnte er sich langsam wieder in Marsch setzen. In Richtung des Hügel, auf dem Rorch jetzt wahrscheinlich nach ihm Ausschau hielt. Zu schade das seine Beine nicht imstande waren diesen Kurs zu halten. Zielsicher steuerten sie dorthin zurück, wo seine zukünftige Todesursache ihn erwartete. Wenigstens war Schachau genug Grips geblieben sich gegen den Wind anzuschleichen. Auch wen dies hieß sich einem wilden Cocktail aus betörenden und beängstigenden Gerüchen auszusetzen. Er war wirklich noch sehr jung, schoß Schachau durch den Kopf als er sich auf wenige Meter genähert hatte. Von dort aus konnte er das Liebesspiel der beiden auf der graslosen Fläche beobachten. In ihm brodelte die blanke Eifersucht. Dieser fiese, stinkende, alte Sack stahl im sein Weibchen. Seine ... Jungen.

Er würde das nicht zulassen. Mit einem die Nacht zerreißendem Gebrüll stürzte er los. Karlio wandte sich zu ihm um, doch zu spät. Schachau sprang ihn an, warf ihn auf den Rücken und Biß blindlings zu. Ein Krachen, dann schleuderte Karlio seinen Gegner mit beiden Hinterbeinen von sich. Schachau schlug gegen den Baum und glitt fast bewußtlos zu Boden. Er erwarte den Alten jede Sekunde an seiner Kehle ihn zu erwürgen. Qualvoll. Sein Hinterkopf schmerzte. In seinem Maul war Blut, doch er schmeckte das es nicht sein eigenes war.

Benommen öffnete er die Augen. Karlio saß keine vier Meter vor ihm und leckte verzweifelt seine Pfote. Viel, in der Nacht schwarze Flüssigkeit befeuchtete den trockenen Sand. Schachau stand langsam auf. Karlio sah ihn haßerfüllt an. Seine Pfote schien gebrochen und die Wunde weit offen. Die Reue stellte sich bei Schachau ein. Er hatte mehr oder weniger unbeabsichtigt den Alten zu Tode verurteilt. Mit dieser Pfote würde er nie wieder Jagen können. Das Weibchen grinste hämisch im Hintergrund und rollte sich genüßlich.

"Wegen einem Weibchen!"

Karlio hatte aufgehört zu lecken, ließ es bluten. Schrie zuerst sie, dann Schachau an.

"Ein halbes Kind, verdammt noch mal! Wo war der Löwe, der mir im Kampf das Genick brechen sollte."

Schachau wurde klar, das sein Gegenüber jetzt nichts mehr zu verlieren hatte und sicher nach Rache dürsten würde. Leider stand er mit dem Rücken im wahrsten Sinne des Wortes zur Wand. Der dicke Stamm des Baumes versperrte ihm den Fluchtweg.

"Ich habe viele Rivalen getötet in meinem Leben." fing Karlio an zu sinnieren, "sogar zwei Brüder. Aber ich habe es nie gern getan und junge Burschen wie dich, habe ich immer leben lassen."

Er setzte seine Pfote auf den Boden. Sie kümmerte ihn scheinbar nicht mehr.

"Ich mußte mich verraten und allein durchschlagen. Das rechtfertigt, was grausam sein mag. Ich war König der Geparden, lange Zeit. Nun werde ich auch so sterben. Früher oder später mußte das kommen."

Das Weibchen hörte auf sich zu wälzen. Statt dessen starrte sie gebannt zu den beiden herüber. Schachau überlegte ob er wohl über diesen Irren hinweg springen könne. Dieser richtete sich auf und nahm Angriffshaltung ein.

"Nun zeig ob du wirklich kämpfen kannst."

Karlio setzte zum Sprung an. Doch aus dem Nichts schoß rettend ein Schatten herbei und riß ihn zu Boden. Sofort stürzte sich auch Schachau auf den am Boden Liegenden um seinem Bruder zu helfen. Rorch hatte ihn am Nacken erwischt und versuchte ihm das Rückrad durchzubeißen. Der Alte hatte mit drei Pfoten gegen die beiden keine Chance. Schachau versetzte ihm zuerst einige Schläge mit den Klauen ins Gesicht und ging ihm dann an die Kehle. Gut zwei Minuten wehrte Karlio sich noch, wandte sich in den Griffen seiner Angreifer, dann wurden seine Bewegungen immer schwächer. Karlio war nicht gerade wie ein König gestorben, aber zumindest waren Schachau und Rorch jetzt vorläufig quitt.

Rorch ließ ihn zuerst los und wandte sich zu dem Weibchen, das ihn mit dem obligatorischen Fauchen begrüßte. Sein Atem ging schwer. Er hatte gerade wesentlich dazu beigetragen einen Artgenossen zu töten, aber wenn Schachau an den Wahnsinn dachte, in den ihn, der Dame Liebesdüfte gestürzt hatten, wahr er froh, das Rorch erst Karlio angesprungen hatte und nicht gleich das Weibchen. Er selbst hatte fürs erste zuviel Gepardenblut, dessen Geschmack sich von dem der sonst üblichen Beute auf widerlichste Art unterschied, im Maul und einen gewaltigen Schrecken in den Knochen. Rorch dagegen war, was seine Erektion verriet, durchaus bereit die Erfahrung die ihm sein Bruder voraus hatte nachzuholen.

Die Gepardin, deren Name Schachau noch immer nicht kannte, zeigte sich nicht übermäßig angetan, zumal Rorch immer noch einen abgemagerten, kränkelnden Eindruck machte. Schachau stellte sich aber nicht als Alternative zur Verfügung. Also blieb ihr, zumal sie bis zur Willenlosigkeit heiß war, nichts anderes übrig. Sie rollte sich noch ein paarmal, darauf achtend, das ihr Rorch nicht zu nahe kam. Dann "vergaß" sie kurz aufzupassen, schon erwischte Rorch sie am Nacken, was sie erneut erstarren ließ. Schachau ließ den Toten in Ruhe und kam noch ein paar Meter näher um sich kein Nichts entgehen zu lassen.

Rorch mußte sich erst richtig in Position bringen, bevor er langsam Stück für Stück in sie vordrang. Sofort begann er mit recht schnellen aber kurzen Stößen. Sein schon vorher schneller Atem beschleunigte zu einem stoßweisen Keuchen. Jedes Haar auf seinem Nacken sträubte sich und ein fiebriges Zittern durchlief ihn. Schachau kannte die herrlich bittere Glut die sich jetzt von seinen Eiern aus seinen Körper durchströmte. Rorch verlangsamte, als er von den nie gekannten Gefühlen zum Höhepunkt getragen wurde. Er stieß noch einmal heftig und tief zu, dann stoppte er, während seine angespannten Muskeln und das Wippen seines Schwanzes verrieten, das er seinen Samen in die Tiefen ihrer Grotte spritzte. Kaum war er fertig jagte sie ihn mit einem angedeuteten Schlag von sich.

Rorch sprang zu seinem Bruder hinüber. Er verzichtete darauf sich zu ausführlich zu lecken, sondern beobachtete mit ihm die Gepardin, die sich jetzt um so mehr auf dem Boden hin und her warf. Seinen Bruder mit der Schönheit zu sehen hatte jeden Schrecken aus Schachaus Knochen vertrieben. Am liebsten, hätte er sie sofort wieder bestiegen, doch im Moment, schien sie mit beschäftigt.

"Wie ist dein Name?" mußte Rorch sie, als sie sich etwas beruhigt hatte auch noch mit einer Frage vom Wesentlichen ablenken.

"Nakarta." antwortete sie, rollte sich noch einmal und warf Schachau einen sehnsüchtigen Blick zu, der sich von dieser Bevorzugung zwar geehrt fühlte, aber hoffte, das Rorch sie nicht bemerkt hatte. An und für sich hatte sich Schachau vorgenommen, die zweite Runde intensiv zu Genießen und in die Länge zu ziehen, als er sich jedoch näherte an ihr roch und leckte war es vorbei mit Beherrschung.

Mit einem mal fand er sich auf ihr. Feste packte er sie beim Nacken und rammte ihr seine Latte zwischen die Schenkel. Er spürte sich gleiten in die Enge, die ihre steinharten Muskeln ihm ließen, ihr Brüllen und den Strudel der heißkalten Ekstase. Er sah Sterne vor seinen Augen tanzen, schmeckte ihr Fell, spürte es reiben an seinen Waden, seinem Bauch. Die Welt um ihn herum brachen zusammen, wurden weggetragen in Fluten seines brodelnden Blutes. Erst als sie laut brüllend und Wellen der Hitze aussendend kam, riß sie ihn mit. Schachau preßte seine Schenkel dicht an sie und spürte seine Nüsse explodieren, um seinen Samen Schuß für Schuß in ihre Fruchtbarkeit zu pumpen und in einem Meer der Säfte neues Leben in ihr zu erwecken. Ewig dauerte es bis das Feuer in im aufhörte zu zirkulieren und einer ungeahnten Befriedigung Platz machte.

Schachau stieg von ihr und ließ sich fallen, nach zwei Schritten in irgend eine Richtung. Schoß die Augen und atmete. Alles drehte sich um ihn, doch blieb das wundervolle Gefühl seines heißen Körpers, der sich nur langsam wieder abkühlte. Als er viel, viel später seinen Kopf hob, Rorch zu beobachten, der, bei der Ehre gepackt, nicht mit Einsatz geizte, Nakarta in den Wahnsinn zu reiten, wußte er, das diese Nacht versprach, noch viel von ihm abzuverlangen.